Corsin Taisch und Kirsten Edelkraut blicken auf eine sinnhafte Entwicklung, auf beständige Grundwerte und auf eine Lücke, die im Südbünden geschlossen worden ist.
Corsin Taisch und Kirsten Edelkraut als Gründer der Eco Alpin SA reflektieren im Rahmen ihres 10-Jahre-Jubiläum die Anfänge, die Unternehmensidee und Herausforderungen. Eins wird sofort klar, das Umwelt-Ingenieurbüro, das sich auf die Verbindung von Naturwissenschaft, Raumplanung und alpinem Ingenieurwesen spezialisiert hat, ist keine Umweltpolizei. Im Gegenteil – sie möchten das grosse Kapital ihrer Region, die unvergleichbar schöne Landschaft, schützen.
Dass es dazu gekommen ist, liegt an der Ski WM 2017: «Wir waren wandern und hatten Zeit, über die Lücke zwischen technischen und ökologischen Aspekten zu diskutieren», erinnert sich Geschäftsführer und Mitgründer der Eco Alpin Corsin Taisch. Sie wollten Projekte aus einem Guss anbieten. Das gab es bis dahin im Engadin nicht. Firmen wurden von ausserhalb beigezogen. «Das wollten wir ändern. Wir kennen das Engadin und lieben die Region.» In subalpinen und alpinen Gebieten stellen sich andere Herausforderungen als in tieferliegenden Regionen. Wenn in ökologisch anspruchsvollem Gelände technische Projekte umgesetzt werden sollen, braucht es viel Flexibilität und Feingefühl für die Details. Dazu Corsin Taisch: «Es gab zu wenig Austausch zwischen den beiden Welten. Ich selbst habe mit meinem Forstwirtschaftsstudium zwar auch einen grünen Daumen, aber ich habe nicht so umfassend an alle Aspekte gedacht, wie es Kirsten tut.»
«Es gab zu wenig Austausch zwischen den beiden Welten. Ich selbst habe mit meinem Forstwirtschaftsstudium zwar auch einen grünen Daumen, aber ich habe nicht so umfassend an alle Aspekte gedacht, wie es Kirsten tut.»
Kirsten Edelkraut, stellvertretende Geschäftsführerin und Mitgründerin der Eco Alpin stimmt zu: «Wir alle leben vom Tourismus und dieser wiederum ist stark von unserer alpinen Natur abhängig. Deshalb macht es Sinn, dass bei Projekten die ökologischen Aspekte früh miteinbezogen werden.»
Ein eigenständiger Auftritt zeigt die Wichtigkeit der Arbeit
Mit der Gründung der Eco Alpin SA wurden zwei unterschiedliche Tätigkeitsbereiche zusammengeführt und damit gewann die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Umwelt und alpinem Ingenieurwesen an Bedeutung. Seither ist die Eco Alpin SA gewachsen und beschäftigt heute acht Personen in Büroräumlichkeiten in Silvaplana, La Punt Chamues-ch und neu auch in Poschiavo. Die Experten kennen die Besonderheiten des alpinen Raums. Sie suchen keine Probleme, sondern finden Lösungen. Sie urteilen nicht über Projekte, sondern bringen touristische Infrastruktur in Einklang mit der schützenswerten Landschaft. Beispielsweise bei der Ski WM 2017 oder dem Biketrail über den Berninapass ist das eindrücklich gelungen. Die baulichen Eingriffe sind kaum mehr zu erkennen.
Eco Alpin geht es darum, die Grundlagen zur Entscheidungsfindung zu liefern. Corsin Taisch und Kirsten Edelkraut sehen sich als Sparringpartner, um vom ersten Projektgedanken an die Sicht von Umwelt, Landschaft und Raumentwicklung optimal einzubringen: «Wir zeigen die Fakten auf und schmücken nicht aus. Wir denken in Varianten und diskutieren Optionen. Das ist unsere Aufgabe», präzisiert Kirsten Edelkraut. Man spürt die Leidenschaft der beiden im Gespräch, aber auch die Vorsicht im Umgang mit der Natur. Vor allem, wenn es um sensible Ökosysteme, wie zum Beispiel Gebirgsmagerrasen oder Moore, geht. Diese Ökosysteme verzeihen nichts – die rauen Wachstumsverhältnisse bedingen, dass sich die Systeme nur sehr langsam regenerieren können. «Wenn ich jedoch sehe, dass wir es bei vielen Projekten geschafft haben, unser grösstes Gut – die Natur – zu schützen, empfinde ich grosse Freude», sagt Kirsten Edelkraut.
Lokales Team kennt die Flora im alpinen Bereich
In den Sommermonaten ist Kirsten Edelkraut bei ihrer Feldarbeit. Sie liebt es, im Feld zu stehen und Pflanzen zu identifizieren. Sie arbeitet an verschiedenen Ausbildungskursen mit, und bringt in ihre Arbeit wissenschaftliche Projekte mit ein. Ihr umfassendes knowhow im floristischen und standortökologischen Bereich – speziell im alpinen Raum – ist von grosser Wichtigkeit. Darüber wird Eco Alpin SA sichtbar. Die regionale Verbundenheit ist im ganzen Team zu spüren. Deshalb ist auch der Schritt in die Südtäler logisch: Der neue Standort in Poschiavo ermöglicht es, auch in der abgelegenen Valposchiavo nahe an den Projekten arbeiten zu können.
Spezialisierte Fachkräfte mit vertieftem Verständnis für die alpinen Gegebenheiten sind zentral – es genügt nicht, jemanden mit allgemeiner Tiefbauerfahrung einzusetzen. Beinahe jedes Projekt in Hochlagen hat sehr hohe Umwelt- und Landschaftsrelevanz. Die Eco Alpin Experten sind auf Orte spezialisiert, an denen die Logistik eingeschränkt ist. «Aufgrund der guten Teamarbeit mit den Ingenieuren bei unserer Partner-Firma Caprez Ingenieure AG werden bei Tiefbau-Projekten die ökologischen Aspekte wie selbstverständlich von Anfang an mit einbezogen» schliesst Corsin Taisch ab.